Besprechungen zu den Büchern unserer ärztlichen Beraterin Dr. Helga Simchen

ADS – „Unkonzentriert, verträumt, zu langsam und viele Fehler in Diktat“
Hilfen für das hypoaktive Kind
Verlag Kohlhammer ; 7. Auflage 2009, ISBN-10: 317021005X

AD(H)S umfasst nicht nur das Zappelphilipp-Syndrom und seine Behandlung, es erfordert weit mehr als nur die Verbesserung von motorischer Unruhe und Konzentration.

Mit diesem Buch möchte ich über Kinder und Jugendliche informieren, die ganz anders sind, aber auch ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom haben. Bei ihnen dominieren nicht Verhaltensauffälligkeiten, sondern Lernschwierigkeiten. Durch ihre besondere Art der neuronalen Vernetzung von Lernbahnen können sie über abgespeichertes Wissen und beabsichtigtes Verhalten nicht automatisch verfügen. Das verunsichert sie, sie reagieren mit Rückzugstendenzen und Selbstbeschuldigungen. Langsam aber stetig geraten ihr Selbstwertgefühl und ihre soziale Kompetenz in eine Negativspirale, was zu einem Reiferückstand in der Persönlichkeitsentwicklung führt. Von ihrer meist guten bis sehr guten Intelligenz können diese Kinder und Jugendlichen nur wenig oder gar nicht profitieren. Sie spüren zeitig, dass sie „anders“ sind, ohne es ändern zu können und reagieren in ihrer Hilflosigkeit mit Versagensängsten, psychosomatischen Beschwerden, Verweigerungs-haltung und autoaggressiven Handlungen, um nur die wichtigsten zu nennen. Sie brauchen zeitig ganz besondere professionelle Hilfen, die im Buch vermittelt werden, deren Angebot in der Praxis bis jetzt noch leider viel zu gering ist.

Mit diesem 2001 erschienen Buch wurden wohl zum ersten Mal die Besonderheiten einer AD(H)S-bedingten Lese-Rechtschreibschwäche und Rechenschwäche beschrieben und gleichzeitig den Lesern Hinweise für deren erfolgreiche Behandlung gegeben.


„Die vielen Gesichter des ADS“
Begleit- und Folgerkrankungen richtig erkennen und behandeln
Verlag: Kohlhammer; 3. aktualisierte Auflage 2010, ISBN-10: 9783170213340

Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ist für mich eine Persönlichkeitsvariante, die in ihrer leichten Form den Betroffenen große Fähigkeiten verleihen kann, wenn man sich derer zu bedienen weiß. Ist man aber einer ausgeprägten AD(H)S-Problematik hilflos ausgesetzt, kann es zu vielen Begleit- und Folgeerkrankungen kommen. Negativer Dauerstress fungiert dabei häufig als Bindeglied zwischen Belastung und Erkrankung. Deshalb sollte kein AD(H)S nur wegen seiner Akutsymptomatik behandelt werden, sondern auch, um seine Spätfolgen zu vermeiden. Als dieses Buch 2003 erschien, waren die Zusammenhänge zwischen AD(H)S und vielen psychischen Krankheiten noch wenig bekannt.

Inzwischen gibt es viele Studien, die diesen Zusammenhang nachweisen konnten, aber viel Arbeit bleibt auf diesem Gebiet noch zu leisten. In der AD(H)S-Praxis erfahrene Spezialisten, die über viele Jahre Erwachsene behandeln, sind hier oft Ideengeber für die wissenschaftliche Forschung. So verwundert es nicht, dass noch immer viele Ärzte und Psychologen, die Erwachsene behandeln, diesen Zusammenhang zu wenig berücksichtigen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich AD(H)S-Betroffene in der Selbsthilfegruppe, im Internet und in der Literatur kundig machen, um professionelle Hilfen zu bekommen. Nicht selten konnte dadurch sogar eine bisher therapieresistente psychische oder psychosomatische Erkrankung deutlich gebessert oder gar geheilt werden. Es lohnt sich also, sich mit der AD(H)S- Problematik zu beschäftigen und gezielt nach Hilfen für seine psychischen und psychosomatischen Probleme zu suchen. Das Wissen der Mitglieder von Selbsthilfegruppen wird hierbei bisher noch viel zu wenig genutzt.

Mit diesem Buch wollte ich Erkrankungen aus dem AD(H)S-Spektrum nennen und deren Zusammenhang erklären. Das bedeutet auch, dass sich die Symptomatik unter einer erfolgreichen, den ganzen Menschen in seinem Umfeld berücksichtigenden Therapie durchaus bessern können. Denn das AD(H)S heilt nicht aus, aber man kann lernen mit AD(H)S bei guter Lebensqualität und Erfolg sein Leben zu genießen. Für AD(H)S-Betroffene soll dieses Buch Eine Anleitung zum Handeln sein.


Kinder und Jugendliche mit Hochbegabung
Erkennen, stärken, fördern – damit Begabung zum Erfolg führt
Verlag: Kohlhammer; 1. Auflage 2005, ISBN-10: 9783170187351

Kinder und Jugendliche, die in der Schule oder im Studium scheitern, sind nicht unterfordert, sondern viel häufiger überfordert!

Diese neurobiologisch fundierte Tatsche, die bisher noch viel zu wenig bekannt ist, aber die Entwicklung der Betroffenen nachhaltig beeinträchtigen kann, veranlasste mich, dieses Buch zu schreiben.

Überfordert sind diese Kinder und Jugendlichen weil die Informationsverarbeitung ihres Gehirns durch genetisch bedingte Reizüberflutung und Botenstoffmangel belastungsabhängig anders funktioniert. Ihre neuronalen Lernbahnen konnten sich nicht stabil genug entwickeln, so dass Lernen und Verhaltenssteuerung nicht ausreichend automatisiert ist. Die Betroffenen klagen über schlechte Konzentration, hohe Ablenkbarkeit, mangelhafte Merkfähigkeit und über viel zu viele Gedanken im Kopf. Gelerntes kann nicht schnell und sicher abgerufen werden.

Die so betroffenen Kinder und Jugendlichen sind nicht unterfordert, sondern haben ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und zwar vom unaufmerksamen Subtyp. Das nicht zu erkennen, kann schwere psychische Folgen haben, weil Selbstwertgefühl und soziale Kompetenz sich nicht altersgerecht entwickeln können.

Dabei garantiert eine sehr gute Begabung allein nicht den Erfolg, sondern genau so wichtig sind die Fähigkeiten, seine Gefühle zu beherrschen, über Eifer und Beharrlichkeit zu verfügen und sich auch für ungeliebte Routine-Tätigkeiten motivieren zu können. Aber gerade das fällt vielen Betroffenen mit AD(H)S schwer.

AD(H)S und Hochbegabung – ein häufiges „Paar“, was Lernen und Verhaltenssteuerung erschwert, Selbstwertgefühl und soziale Kompetenz beeinträchtigt!


Verunsichert, ängstlich, aggressiv
Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen – Ursachen und Folgen – Was ist zu tun, damit die Kindheit nicht zum Trauma wird?
Verlag: Kohlhammer; 1. Auflage 2007, ISBN-10: 9783170197442

Es ist nicht alles AD(H)S, auch Medikamente allein ändern auf Dauer wenig. Es gibt viele Ursachen für Verhaltensstörungen. Woran man deren Beginn in der Familie, in der Schule und im sozialen Umfeld frühzeitig erkennt, wie sie rechtzeitig und ursachenorientiert behandelt werden können, das beschreibe ich in diesem Buch. Von großer Bedeutung sind dabei die Erziehung, die Vorbildwirkung von Erwachsenen und die Schule. Anerkennung sozialer Normen und Grenzen, dabei gleichzeitig Selbständigkeit praktizieren – ein Spagat der nicht immer allen Jugendlichen gelingt.

Verunsichert, ängstlich, aggressiv – eine Triade, die negativen Dauerstress erzeugt, der wiederum die Wahrnehmung verändert, so dass die Betroffenen sich von allen missverstanden, angegriffen und ungerecht behandelt fühlen. Ohne professionelle Hilfe können vorhandene Rachegedanken zwanghaft werden und Tötungsfantasien hervorbringen. Alle sind dann von der „unverhofften Tat“ überrascht, aber ihr geht meist eine lange Leidensgeschichte voraus, nur niemand hat sie als solche wahrgenommen.

Innere Verunsicherung mit Rückzug, Angst und Aggressivität sind Vorboten einer beginnenden Fehlentwicklung. Wie Eltern, Lehrer und Therapeuten diesen Kindern frühzeitig helfen können, will ich mit diesem Buch vermitteln.


Essstörungen und Persönlichkeit
Magersucht Bulimie und Übergewicht – Warum Essen und Hungern zur Sucht werden
Verlag: Kohlhammer; 1. Auflage 2010, ISBN-10: 3170208489

Bisher wurden die meisten restriktiven Essstörungen als Folge von Beziehungsstörungen oder schwerer psychisch belastender Ereignisse in der Kindheit angesehen. Inzwischen zeigt die Praxis, dass etwa 50% aller Essstörungen eine AD(H)S-bedingte neurobiologische Ursache haben. Jede 3. erwachsene Frau, die sich wegen AD(H)S-Problematik in Behandlung begibt, hat oder hatte früher eine Essstörung. Allen gemeinsam sind ein schlechtes Selbstwertgefühl und Probleme in der sozialen Kompetenz, die sie trotz massiver Anstrengungen bisher nicht verbessern konnten. Meist waren die Betroffenen den psychosozialen Belastungen der Pubertät nicht gewachsen und begannen über die Beherrschung ihres Körpers sich Anerkennung der anderen zu holen, eine durch Hilflosigkeit bedingte Selbstbehandlung.

Die Diagnose AD(H)S bedeutet Stress und Frust, der oft mit Nahrungsaufnahme abreagiert wird. Bulimie und Übergewicht können folgen. Welche Bedeutung Stresshormone für die Entwicklung sowohl restriktiver Essstörungen als auch eines metabolischen Syndroms (Übergewicht, hoher Blutdruck, Insulinresistenz und hoher Cholesterinspiegel) haben, möchte ich den Lesern vermitteln und ihnen den Zusammenhang von angeborener Stressüberempfindlichkeit, negativem Dauerstress und Auswirkung auf das Essverhalten aufzeigen. Ein dynamischer Prozess, der bisher viel zu wenig bekannt ist, den ich aber in der Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen mit AD(H)S immer wieder beobachte, weil ich den Patienten in seiner Einheit von Körper, Psyche, sozialem Umfeld und familiären Erkrankungen betrachte.

Den Zusammenhang mit AD(H)S und Essstörungen verstehen, ermöglicht eine frühzeitige und erfolgreiche Therapie, weil man zuerst die Ursachen behandeln kann und nicht nur deren einzelne Symptome.